Täglich von 11 – 16 Uhr, Di. und Do. von 11 – 18 Uhr, Mo. geschlossen
Rheinstraße 16, 47198 Duisburg-Homberg. Gut angebunden über die A40, mit dem Bus in rund 30 Minuten vom Duisburger Hauptbahnhof erreichbar.
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Ob allein, zu zweit oder in der Gruppe – wir führen Sie gern durch das Kolumbarium und den Garten der Gedanken. Sprechen Sie uns an, wir finden einen Termin. Wöchentliche Führungen finden ebenso dienstags „Auf´n Stündchen“ von 16.30 – 17.30 Uhr statt.
Für alle weiteren Fragen um Vorsorge, Bestattung oder einfach zum Kennenlernen erreichen Sie uns telefonisch und per E-Mail.
info@kolumbarium-rheinkirche.de
02066 – 46 90 179
Eine persönliche Begegnung mit dem Freien Kolumbarium Rheinkirche: Autorin Dr. Iris Huth beschreibt, wie aus einer entwidmeten neugotischen Kirche in Duisburg-Homberg ein lichtdurchfluteter Ort wurde, an dem Leben und Tod zusammengehören. Zwischen Eichenstelen, Kultur und Begegnung verliert der Abschied seinen Schrecken – und sie findet ihre eigene „letzte Immobilie“.

Meine letzte Immobilie….
Eigentlich hatte ich Kolumbarien, also Aufbewahrungsstätten für Urnen, immer nur dunkel, muffig und furchterregend in Erinnerung. Über meine eigene Beerdigung habe ich mir bis dato auch noch nicht viele Gedanken gemacht. Warum auch?! Mit Ende 50 schiebt man das noch weit vor sich her. Ganz anders denke ich nun, seitdem ich das Freie Kolumbarium Rheinkirche in der entwidmeten Kirche in Duisburg-Homberg zum ersten Mal besucht habe.
Wie so viele Gemeinden hat auch die Homberger Rheinkirche aufgrund von rückläufigen Mitgliederzahlen schließen müssen. Sechs Jahre stand das über fast 130 Jahre alte, neugotische Gotteshaus leer, als es am 3. April 2022 nach einer knapp dreijährigen Umbauphase vom Architekten Andreas Knapp im wahrsten Sinne des Wortes wachgeküsst wurde. Knapp widmet sich mit seinem Architekturbüro „Küssdenfrosch“ denkmalgeschützten Gebäuden und erweckt diese wieder zu neuem Leben.
„anders tot sein – anders ruhen“
Diese „Reanimation“ hat sich mehr als gelohnt. Schreitet man durch das mit schweren Eichentüren besetzte Kirchenportal, erlebt man etwas, das man nahezu Auferstehung nennen darf. Lichtdurchflutet und strahlend eröffnet sich im Inneren eine „Kathedrale für die Toten und Lebenden“. Das ist auch ganz bewusst so beabsichtigt. In dieser einzigartig architektonisch gestalteten, bis zu neun Meter hohen Stelen-Landschaft, finden die Verstorbenen eine würdevolle, letzte Ruhe in einem geschmackvoll gestalteten Ambiente. Bleiverglaste Fenster lassen im Tageslicht die in die Stelen eingelassenen Farbkuben in sanften Frühlingstönen leuchten. Innerhalb der gesamten Konstruktion laden gemütliche Sitzplätze zum Verweilen, Erinnern und Innehalten für alle Besucher ein. Die formvollendete Atmosphäre lässt Vergleiche mit einschlägigen Magazinen nach dem Motto „Schöner Wohnen“ zu.
Leben mit und nach dem Tod
Gleichzeitig gibt es an diesem Ort auch ein Leben nach dem Tod. Denn die Ruhestätte am Fuße des Rheins ist nicht nur ein Ort der Einkehr und Besinnung, sondern auch der Begegnung. Nicht umsonst lautet das Motto des Kolumbariums „Ruhe in Freude“. Die Leitung des Kolumbariums Frau Gaby Schläger sorgt überdies für einen regelmäßig gut gefüllten und besuchten „Begegnungskalender“. Gleiches kommt der ursprünglichen Bedeutung des Wortes Kolumbarium – nämlich „Taubenschlag“ - sehr nahe. Interessante Lesungen, Konzerte und Gesprächsrunden laden Kunst- und Kulturinteressierte zu einem ungezwungenen Umgang mit dem Urnenfriedhof ein. Sie machen deutlich und spürbar, wie untrennbar Leben und Tod miteinander verbunden sind und dass der Tod das Leben nicht automatisch ausschließt. Dabei darf auch gerne ein Tabu gebrochen werden, wenn die Urnenstätte zum Parkett für passionierte Tangotänzer umfunktioniert wird. Für den Tango, als gelebten und sinnbildlichen Ausdruck von Leidenschaft, Melancholie und Schmerz, gäbe es kaum einen passenderen Brückenschlag als hier im Kolumbarium.
Die Angst vor Sterben und Tod ist normal. Hier im Kolumbarium fügen sich Leben und Tod zu einer harmonischen, friedvollen Einheit zusammen, frei, offen, lichterfüllt. So finden z.B. neuerdings „Letzte Hilfe-Kurse“ in Kooperation mit dem örtlichen Palliativdienst medidoc GmbH Duisburg für Angehörige von Schwerstkranken und Sterbenden sozusagen Tür an Tür mit den Verstorbenen statt. Auch diese Aktionen sorgen dafür, dass die Berührungsängste mit dem Tod ein wenig gemildert werden und der Abschied von einem geliebten Menschen gut begleitet ist.
Vor allem für die Hinterbliebenen kommt durch die Besuche im Kolumbarium wieder eine Leichtigkeit in die durchlebten schweren Phasen. Dabei sind auch seelsorgerische Aktivitäten, neben den dezenten und empathischen Gesprächsangeboten der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen, im Kolumbarium erlebbar. Sucht ein Angehöriger an der familieneigenen Urnenkammer Trost in seiner Trauer, kommt es nicht selten zu Gesprächen mit anderen Hinterbliebenen. Dann ist geteiltes Leid ein etwas leichteres Leid. Es hält die Erinnerung an den geliebten Menschen wach und sorgt zudem für Augenblicke, in denen man wieder scherzen und lachen kann. „Manchmal entwickeln sich dabei sogar auch wieder „Neuanfänge“, berichtet Gaby Schläger.
„Letzte Ruhe“ neu gedacht
Wer im Kolumbarium die klassische Friedhofsatmosphäre erwartet, wird positiv überrascht sein. Die einzelnen Urnenkompartimente erzählen auch nach dem Tod über ihre „Bewohner“, wie z.B. über einen ehemaligen Spieler des MSV Duisburg. Deutlich sieht man seine Fußballurne durch die Milchglasscheibe seines Urnengrabes schimmern. Davor auf einem kleinen „Balkon“ das Foto des Verstorbenen in seinem blau-weiß-geringeltem Trikot - ein würdiges Memoriam für diesen Menschen.
Manchmal kann hier sogar auch die Urnenbeisetzung zum Happening werden. So verabschiedete sich der örtliche Dart-Club stilecht von einem langjährigen Mitglied. Jeder Trauergast legte einen Dartpfeil als „Letzten Gruß“ in die Grabkammer.
Ca. 3500 Urnen können hier ihren ganz individuell gestalteten Platz finden. Die Einzelsegmente sind 27 cm breit und 37 cm hoch, genau passend für die jeweiligen Urnen. Die Ruhezeit beträgt mindestens 12 Jahre. Bisher sind 414 Kammern besetzt. In den zwei nicht zugänglichen Gemeinschaftsräumen für Urnenbeisetzungen im Obergeschoss ist auch noch Platz für 1200 Urnen.
So einige Familien und Paare haben sich hier bereits ein Plätzchen in summum gesichert. Man erkennt es an den dezent gehaltenen Fronten mit dem Hinweis „reserviert“. „Bei uns ist jeder willkommen, wir erheben den Anspruch weltoffen, frei und lebensnah zu sein. Hier kann jeder ungeachtet seiner Religion, Kultur und Weltanschauung seine letzte Ruhe finden.“ erklärt Gaby Schläger die Philosophie des Kolumbariums.
Nach Ablauf der Ruhezeit wird die Asche der Verstorbenen im 1500 qm großen „Garten der Gedanken“ auf einer dafür vorgesehenen Wiesenparzelle neben dem Kolumbarium verstreut. Hier schließt sich dann ein weiterer Kreislauf von Leben und Tod, wenn die sterblichen Überreste in Flora und Fauna übergehen und möglicherweise wieder erblühen dürfen.
Während ich tief beeindruckt durch die einzelnen Kompartimente des Kolumbariums wandle, läuft im Hintergrund Schlagermusik. Ich stelle mir die Frage, ob ich mit einer derartigen Beschallung wirklich meine Ruhe finde – im Leben, wie im Tod? Kurze Zeit später werden auf der großen Kirchenorgel Rockballaden gespielt. „The show must go on“ von Queen - wie sinnig an diesem Ort und auch meine Devise. Im weiteren musikalischen Reigen erfreue ich mich an meinen geschätzten Komponisten Ludovico Einaudi und Max Richter, die Meister der Entspannungsmusik und merke, hier ist wirklich für jeden etwas dabei.
Happy End
Nach all den mich überzeugenden Impressionen habe ich mir meinen Platz, meine persönliche Nische schon ausgesucht und reserviert. Ein wenig eitel bin ich dabei zugegebenermaßen schon. Als Bauhaus-Fan „form follows function“ habe ich schon immer Wert auf gutes Design gelegt. Das soll hier für mich im Kolumbarium nicht anders sein. Chic und edel soll sie werden, meine „letzte Immobilie“ mit der individuell gestalteten Kammer. Ich habe mich für eine schlichte, polierte Messingfront entschieden, die künftig mit meinem Namen, meinen Geburts- und Sterbedaten in Ruhe Patina ansetzen darf, mit klarer Struktur und Form – so wie ich es auch real schätze.
Nach dem Vertragsabschluss sitze ich noch eine Weile still in der Nähe meiner künftigen „Wohnstätte“. Sie ist in einer stylisch eingerichteten Leseecke, mit einer kleinen, aber feinen Bibliothek, ganz nach meinem Geschmack, denn so ähnlich ist mein Home-Style zu Lebzeiten. Auch wenn das Beratungsgespräch über die Ausstattung des Urnenplatzes und die entsprechenden Formalia sehr empathisch, locker und lebensbejahend verlief, ein wenig bewegt bin ich schon. Eine solche Entscheidung trifft man schließlich nicht jeden Tag. Nun bin ich also eine neue Mieterin in der Rheinkirche, aber mit dem Einzug lasse ich mir hoffentlich noch ein wenig Zeit. Dieser sehr bewusste Moment schenkt mir jetzt viel Gelassenheit und Ruhe, untermalt von sanftem Vogelgezwitscher, welches nun durch die Lautsprecher der Ruhestätte tönt. Zu wissen, wo man später hinkommt, schafft Frieden und auch ein Stück Entlastung. Es nimmt mir tatsächlich ein wenig die Angst vor dem Tod. Die Gewissheit, dass man nach dem Tod nicht allein sein wird und regelmäßig Besuch bekommt, beschert mir nicht nur mein ganz persönliches „Happy End“, sondern bringt mich in die Versuchung die Liegezeit von erstmal 12 auf 24 Jahre zu erhöhen, damit ich auch ja keine Veranstaltung verpasse…..
Autorin Dr. Iris Huth Jg. 1966
ist wissenschaftliche Leitung der medidoc Palliativ- und Pflegeakademie Duisburg
Psychoonkologin / Soziotherapeutin
zertifizierte Kursleiterin Palliative Care
Thanatologin / Ethikberaterin im Gesundheitswesen
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